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Donnerstag, 21 November 2019

Möbelhaus - ein Tatsachenroman

Möbelhaus

Geschichten aus dem Möbelhaus, die alle wahr sein sollen: Ein renommierter Journalist verliert durch die Wirtschaftskrise seinen Job. Er hat einen kleinen Sohn. Er muss Geld verdienen. Und strandet als Möbelverkäufer in einem Industrie-Gebiet in der Provinz. In einem der größten Möbelhäuser der Republik. Er trifft auf ehemalige Maurer, Musiker, Hoteldirektoren, Architektur-Studenten – alles dabei im Kreis seiner Kollegen. Robert Kisch berichtet mit spitzer Feder von seinem neuen Leben: absurd, beklemmend, entlarvend.

Robert Kisch ist das Pseudonym eines preisgekrönten deutschen Journalisten in Berlin, einer sogenannten Edelfeder, hochdekoriert mit den wichtigsten deutschen Journalismus-Preisen, Stipendien und Auszeichnungen, eben noch als Redakteur in Berlin beschäftigt, wo er Interviews mit amerikanischen Superstars machte – dann kam die Wirtschaftskrise. Er berichtet in diesem über seine eigenen Erfahrungen.

Ein Teil der Einleitung als Leseprobe:

»Sie haben uns letzte Woche ein Sofa verkauft«, sagt der neugierige Mann und strahlt mich an. »Und gestern Nacht war eine Wiederholung im Fernsehen, und da sag ich zu meiner Frau: Das ist doch der Verkäufer aus dem Möbelhaus!«

Prima, denke ich, jetzt ist alles vorbei. Ausweichen.

Bis vor wenigen Monaten noch habe ich mit Hollywood-Größen gealbert oder mit deutschen Show-Stars geflirtet, habe mich tatsächlich auch selber vor der Kamera herumgetrieben, wenn ich nicht dahinter beschäftigt war. Bis vor wenigen Monaten habe ich vor allem für die wichtigsten Magazine und Zeitungen geschrieben, habe dafür als sogenannte Edelfeder fast alle wichtigen deutschen Journalismus-Preise gewonnen; notorisch unrasiert und geistreich. Jetzt allerdings trage ich eine seriöse Krawatte, eine Bundfaltenhose und bin selbstverständlich glatt rasiert. Dabei habe ich zwischenzeitlich nichts Schlimmes verbrochen. Ich bemühe mich lediglich darum, dass mein Sohn regelmäßig essen kann. Weil die ganze Edelfederei inzwischen kein Geld mehr bringt, genauso wenig wie das Albern mit Hollywood-Größen oder Partybesuche mit Show-Sternchen. Und gleichzeitig ist mir das alles unsagbar peinlich. An Hollywood-Maßstäben gemessen bin ich nämlich mal eben grandios gescheitert. Und wenn das jemand erfährt von meinen ehemaligen Kollegen in den Redaktionsstuben – dann folgt bald ein freudiges Zerfleischen und Vierteilen. Dann bin ich endgültig erledigt.

Denn man tritt auf den Gefallenen. Nicht nur in Hollywood.

»Jugendsünden …«, sage ich lächelnd und hebe die Ledermuster vor mein Gesicht.

Der Rest des Tages ist gelaufen.

Was mache ich hier?

Die Frage quält mich weniger, weil ich nach einer Antwort suche (die doch offensichtlich ist: Junge, du musst Geld verdienen!), als vielmehr, weil sie sich als Sehnsucht meldet: nach einer vergangenen Welt.

Erschienen im Februar 2015 bei Droemer, 320 Seiten, broschiert, 12,99 Euro.

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